Warum ich rechtliche Betreuerin geworden bin

Warum wird man rechtliche Betreuerin? Für mich war es weniger eine Entscheidung als ein Weg, der mich gefunden hat. Betreuung bedeutet für mich Vertrauen, Menschlichkeit und echte Begegnung – jeden Tag aufs Neue. In diesem Beitrag erzähle ich, warum ich diesen Beruf bis heute von Herzen liebe.

… und diesen Beruf noch heute liebe!

Es gibt Berufe, die wählt man – und es gibt Berufe, die finden einen. Für mich ist Betreuung von Anfang an mehr als ein Job gewesen: Es ist eine Aufgabe, die Vertrauen, Respekt und Menschlichkeit verlangt – und die mich jeden Tag neu berührt.

Betreuung bedeutet für mich in erster Linie eines: Menschen zu begleiten. Und zwar so, dass sie zu jeder Zeit ihr Gesicht wahren können, dass nicht über sie hinweg entschieden wird und dass sie ihr Leben so selbstbestimmt wie möglich leben können – mit mir als Unterstützung an der Seite. Das erfordert Vertrauen – in meine Arbeit und in mich als Person.

Ich liebe es, Menschen dort abzuholen, wo sie stehen. Das klingt einfach, ist aber oft eine große Herausforderung. Denn die Menschen, die ich begleite, stehen manchmal an ganz anderen Punkten als ich selbst. Und genau das macht meinen Beruf so besonders: Er fordert mich heraus, jeden Tag aufs Neue.

Was diesen Beruf für mich ausmacht

Schon an meinem ersten Tag als Betreuerin war mir klar: Betreuung ist kein Job, bei dem man morgens weiß, was der Tag bringen wird. Jeder Tag ist anders. Jede Begegnung ist einzigartig. Und genau das liebe ich.

Jede Betreuung ist für mich ein Geschenk. Das, was ich gebe, ist in höchstem Maße sinnstiftend. Ich freue mich mit den Menschen, wenn ich etwas für sie bewirken kann – und noch viel mehr, wenn sie selbst (wieder) etwas bewirken können. Gleichzeitig trage ich Verantwortung – eine Verantwortung, die mir sehr bewusst ist. Denn mir wird ein Mensch mit seinem Leben anvertraut. Das erfordert Respekt vor der Würde jedes einzelnen Menschen und eine humanistische, wertschätzende Grundhaltung.

Mein Weg zur Betreuung

Es war kein großer Plan, sondern ein Weg, der sich Schritt für Schritt ergeben hat – einfach so. Ich habe sehr schnell gespürt, dass mir das Juristische nicht das geben kann, was ich im Leben suche. So habe ich mich neben meiner damaligen Tätigkeit als angestellte Rechtsanwältin zur Heilpraktikerin für Psychotherapie weitergebildet – das war vor dreizehn Jahren.

In dieser Zeit begann ich auch eine gesprächspsychotherapeutische Ausbildung nach Carl Rogers. Meine Ausbilderin führte selbst rechtliche Betreuungen und sprach mich an: Sie konnte sich gut vorstellen, dass auch ich Menschen rechtlich betreue. Kurz darauf suchte ich einen Raum, um mit meiner therapeutischen Arbeit beginnen zu können – und fand ihn. Mein damaliger Vermieter – ebenfalls rechtlicher Betreuer – ist heute mein Lebensgefährte.

Er knüpfte damals für mich den ersten Kontakt zur Betreuungsbehörde, und keine Woche später wurde ich zum ersten Mal als Betreuerin bestellt. Das war 2013. Seitdem habe ich etwa 200 Betreuungen geführt und führe einige davon heute noch. Hinzu kommen zahlreiche Verfahrenspflegschaften im Betreuungs- und Unterbringungsrecht. Seit 2015 berate ich in diesem Bereich auch anwaltlich. Und seit vier Jahren leite ich Seminare für Betreuer:innen und Menschen, die es werden möchten, sowie mehrere Supervisionsgruppen.

Meine Werte

Empathie und Ehrlichkeit sind für mich unverzichtbar in diesem Job, der für mich von Anfang an nicht nur Beruf, sondern auch Berufung war. Transparenz, Bescheidenheit und Gewissenhaftigkeit gehören ebenso dazu. Denn ich muss mir jeden Morgen im Spiegel in die Augen schauen können und wissen, dass ich aufrichtig handle.

Warum ich diesen Blog schreibe

Ich möchte mit meinem Blog Menschen erreichen und berühren – die, die selbst betreuen, die, die es vielleicht gern tun würden, und die, die mit Betreuer*innen – aus welchem Grund auch immer – zu tun haben. Es gibt so viele Bereiche in der Betreuung, über die noch immer nicht ausreichend informiert wird.

Vertrauen in diese Arbeit zu schaffen, das ist mir ein großes Anliegen. Und ich möchte aufklären – über das, was noch schwierig ist in diesem System und über das, was schon richtig gut läuft.

Ich freue mich, wenn du mich auf diesem Weg begleitest – mit Fragen, Gedanken oder eigenen Erfahrungen. Lass uns gemeinsam dazu beitragen, dass Betreuung das sein kann, was sie sein soll: Begleitung und Begegnung.

Sandra Bolz | Ihre Rechtsanwältin & berufliche Betreuerin

Rechtliche Betreuung und Beratung mit Herz und Verstand
 
Mein Anliegen ist es, Klarheit zu schaffen – und dabei stets den Menschen mit seinen Bedürfnissen im Blick zu behalten. Damit Lösungen entstehen, die auf allen Ebenen stimmig sind.

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