Ein Vorgeschmack auf mein Buch

Ein Herzensprojekt wird Wirklichkeit: In diesem Beitrag erzähle ich, wie mein erstes Buch über Menschlichkeit in der rechtlichen Betreuung entstanden ist – aus Gedanken, Begegnungen und Geschichten, die mich jahrelang begleitet haben. Ein Blick hinter die Kulissen und auf das, was dieses Buch für mich so besonders macht.

… und warum es mir so viel bedeutet

Ich wollte schon als Kind ein Buch schreiben. Nicht, weil ich damals gewusst hätte, worüber – sondern weil ich schon immer gern geschrieben habe. Weil ich gespürt habe: Wenn ich etwas aufschreibe, sehe ich es klarer.

In der Schulzeit habe ich Artikel für die Abizeitung geschrieben, später hin und wieder für Fachzeitschriften. Aber ein Buch? Dafür fehlte mir lange das Thema. Etwas, für das ich wirklich brenne. Mit dem ich mich über längere Zeit intensiv beschäftigen möchte.

Nach meinem ersten Jahr als rechtliche Betreuerin habe ich zum ersten Mal gesagt: „Ich habe so viel erlebt in dieser kurzen Zeit – ich könnte wirklich ein Buch schreiben.“ Da waren plötzlich Geschichten. Begegnungen. Ideen. Aber keine Zeit.

Wie gut, dass ich in all den Jahren meine Gedanken oft aufgeschrieben habe – für mich. Um sie zu sortieren, eben, um klarer zu sehen.

Ich erinnere mich an einen Moment im Mai 2025, als ich mich fragte: Welches Projekt könnte ich mit meiner beruflichen Kombination noch auf die Beine stellen?

Und plötzlich hatte ich den Gedanken: Vielleicht kommt kein besserer Zeitpunkt, um einfach anzufangen, das zu tun, was ich immer tun wollte. Und an diesem Nachmittag habe ich angefangen.

Es war ein regelrechter Schreib-Flow, in den ich geriet. Die Kapitel kamen aus mir heraus, als hätten sie nur auf diesen Moment gewartet.

Nach fünfzehn Kapiteln dachte ich: Das ist es. Fertig. Aber da waren noch mehr Geschichten. Also wurden es achtzehn. Und weil achtzehn irgendwie unfertig klang, wurden es zwanzig.

Jetzt ist es fertig, mein erstes Buch: Wenn Türen sich öffnen – Augenblicke der Menschlichkeit in der rechtlichen Betreuung heißt es. Mein Herzensprojekt. Kein Ratgeber, kein Fachbuch. Sondern ein Buch über Beziehung, über das Begleiten. Über das, was entsteht, wenn man sein Gegenüber wirklich sieht.

Es geht nicht um Paragrafen oder die Organisation administrativer Tätigkeiten. Es geht um die Begegnung mit den Menschen hinter den Akten. Um ihre Geschichten. Um das, was sie erzählen wollten – und das, was diese Begegnungen mit mir gemacht haben.

Es geht um Kommunikation, um Haltung, um Selbstreflexion. Und um diesen einzigartigen Prozess, mitzuerleben, wie Menschen in Beziehungen wachsen können.

Wenn Türen sich öffnen - Augenblicke der Menschlichkeit in der rechtlichen Betreuung von Sandra Bolz

Ich wünsche mir, dass ich mit diesem Buch meine Leser:innen berühren kann. Dass ich meinen Kolleg:innen aus dem Betreuungssystem sagen kann: Traut euch, nehmt euch die Zeit, legt euer Herz in die Gespräche – und haltet aus, dass dafür auch mal andere Dinge einen Augenblick warten müssen. Es lohnt sich – für die Menschen, für unsere Arbeit, und für uns selbst. Wenn ein Mensch sagt: „Ich habe das selbst entschieden.“ – Dann war es das wert.

Ich möchte auch Angehörige ansprechen. Aufklären, informieren. Was bedeutet Betreuung? Wie gelingt ein guter Umgang mit dementen Menschen, mit psychisch erkrankten Personen?

Beim Schreiben habe ich immer wieder an Gespräche zurückgedacht, in denen Nähe entstanden ist. An Momente, in denen ich tief berührt war. Die Menschen, deren Geschichten ich in meinem Buch – anonymisiert – erzähle, haben mich während des Schreibens vor meinem inneren Auge und in meinem inneren Ohr auf eine besondere Art und Weise begleitet.

Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich viel erlebt, viel gesehen, viele Gespräche geführt und zahlreiche Menschen begleitet habe – durch schwere und auch durch schöne Augenblicke. Viele meiner Betreuungen endeten, weil die Menschen ihren Weg zu Ende gegangen sind – oder ohne mich weitergehen konnten. Manche der Betreuungen, von denen ich erzähle, führe ich noch heute.

Es gab Situationen, die ich morgens erlebt und noch am selben Tag in ein Kapitel eingebaut habe. Und ich habe die wundervolle Erfahrung gemacht, dass das Schreiben mir auch dann hilft, wenn ich damit überhaupt nicht gerechnet habe. Ich hatte nie das Gefühl, ich musste schreiben. Es war vielmehr so, dass ich ständig nach freien Zeitfenstern gesucht habe, um weiterschreiben zu können. Es war eine Zeit des Eintauchens in die Geschichten – und in mich selbst.

Im Augenblick entsteht das Cover und das Layout ist in Arbeit. Die Schriftart ist schon ausgewählt. Als ich das Buch zum ersten Mal im Rohsatz gesehen habe, war ich zutiefst berührt. Das soll mein Buch sein? Das soll ich geschrieben haben? Ich habe es angeschaut und gespürt, wie viel darin steckt. Wahnsinn, wirklich Wahnsinn.

Ich freue mich so sehr auf den Augenblick, es endlich in den Händen zu halten. Ich bin aufgeregt und auch stolz. Ich bin gespannt, voller Vorfreude und Dankbarkeit – dass ich mir diesen Traum erfüllen konnte.

Und wenn ich mit diesem Buch dann vielleicht noch den einen oder die andere berühren, entlasten, motivieren oder trösten kann – dann ist das ein riesengroßes Geschenk.

Sandra Bolz | Ihre Rechtsanwältin & berufliche Betreuerin

Rechtliche Betreuung und Beratung mit Herz und Verstand
 
Mein Anliegen ist es, Klarheit zu schaffen – und dabei stets den Menschen mit seinen Bedürfnissen im Blick zu behalten. Damit Lösungen entstehen, die auf allen Ebenen stimmig sind.

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